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Worum es hier geht
Dein Blähbauch ist morgens kaum da und abends nicht zu übersehen, obwohl du nichts anders gegessen hast. Das liegt selten am Essen allein – und fast immer daran, dass dein Körper gerade auf ein anderes Hormon umstellt.
Was du in diesem Artikel erfährst
- warum dein Blähbauch einem Kalender folgt und nicht deinem Teller
- was das Progesteron mit deinem Darm macht
- warum Wasser die zweite Hälfte des Problems ist
- weshalb das beruhigende Hormon manchmal gar nicht ankommt
- vier Dinge, die deinem Darm in der zweiten Zyklushälfte helfen
- eine Übung für zwei Minuten, heute Abend
Gestern Nachmittag war es wieder so weit: Meine Lieblingsjeans, die morgens noch locker gepasst hat, spannt wie ein eiserner Ring um meinen Bauch. Da hilft nur: Heimlich den Knopf aufmachen (zum Glück habe ich ein weites Oberteil an) – oder zu Hause in die bequeme Leggins schlüpfen. Was für eine Wohltat!
Was habe ich heute gegessen? frage ich mich natürlich. Ok, Zwiebeln, Linsen – da weiß ich vorher schon, dass mein Bauch sich danach regelmäßig zum Luftballon verwandelt.
Doch heute? Nichts davon. Ich habe gesund gegessen, Sport gemacht, Pausen eingelegt. Warum also sehe ich dann schon wieder aus, als wäre ich im 4. Monat schwanger?
Blähungen begleiten mich schon, solange ich denken kann. Als junges Mädchen haben sie mich schon so gequält, dass ich heimlich alles mögliche probiert habe: Jeden Tag gekochten Kümmel gegessen, Brot weggelassen, Kohl gemieden, Zwiebeln aussortiert, Tropfen aus der Apotheke geholt. Trotzdem ging an vielen Tagen ohne Wärmflasche gar nichts und ich schämte mich, weil mein Bauch so dick aussah.
Erst als junge Frau begann ich, mich zu fragen: Wenn es am Essen liegt, warum ist es dann nicht jeden Tag gleich? Warum gab es Wochen, in denen ich alles essen konnte und Wochen, in denen schon ein Apfel reichte?
Blähungen vor der Periode: dein Bauch hat einen Kalender
Wenn du das alles auch kennst: Sicher hast du auch schon bemerkt, dass die Blähungen nicht den ganzen Zyklus über gleich sind. Schau einmal hin, wann du dich am stärksten aufgebläht fühlst. Bei vielen Frauen ist das die zweite Hälfte des Zyklus, die Tage vor der Blutung.
In dieser Zeit bildet dein Körper nach dem Eisprung das Progesteron. Das Progesteron ist das Hormon, das dich ruhig machen soll. Es entspannt Muskeln, die du nicht steuern kannst, und dazu gehört dein Darm. Der Darm wird langsamer, das Essen bleibt länger drin, es gärt mehr, es entsteht mehr Luft. Was in dieser Zyklushälfte sonst noch passiert, habe ich in einem eigenen Artikel über die Lutealphase aufgeschrieben.
Wenn dann deine Blutung einsetzt, fällt das Progesteron ab, und dein Bauch wird von allein wieder flacher. Stimmt’s?
Es ist also nicht dein Essen, nicht der Apfel, nicht das Brot, das dich so aufbläht. Es ist dein Körper selbst, der damit beschäftigt ist, sich jeden Zyklus wieder neu auf die Veränderung bei deinen Hormonen einzustellen.
Du kämpfst gegen Luft, und dein Bauch hält Wasser
Es gibt verschiedene Gründe, warum alles, was du bisher probiert hast, wenn überhaupt nur kurzfristig hilft. Einer davon ist der: Alles – das Weglassen, das langsame Kauen oder die Tropfen – soll die Luft im Darm reduzieren. Der Blähbauch vor der Blutung besteht aber nur zum Teil aus Luft. Der andere Teil ist Wasser, denn das Östrogen hält Wasser im Gewebe fest. Wenn das Östrogen und das Progesteron in der zweiten Zyklushälfte aus dem Gleichgewicht geraten, bleibt dieses Wasser im Bauch, in den Brüsten, in den Fingern, an denen der Ring plötzlich eng sitzt.
🧽 Stell dir einen Schwamm vor
Dein Bauch ist in diesen Tagen wie ein Schwamm, der sich vollsaugt und erst mit der Blutung wieder ausgedrückt wird. Darum bringt es so wenig, noch eine Sache vom Teller zu streichen. Was du weglässt, ändert nichts an dem, was dein Körper gerade festhält.
Warum das beruhigende Hormon manchmal nicht ankommt
Bis hierher hast du das vielleicht alles schon einmal gelesen. Was ich dir heute sagen möchte, ist aber noch etwas anderes. Lass uns auch einmal auf dein Nervensystem und auf die seelischen Aspekte von Blähungen schauen:
Wenn du über Wochen Stress hast und unter Druck stehst, meldet dein Nervensystem: „Alarm“. Die Folge: Dein Körper schüttet Cortisol aus. Und Cortisol besetzt genau die Stellen, an denen das Progesteron andocken möchte. Dann ist das beruhigende Hormon in deinem Blut, und dein Körper kann es nicht nutzen.
Diese Reaktion hat dein System wahrscheinlich schon über Jahre gelernt. Jahre, in denen du wenig auf dich geachtet hast, weil du es noch nicht besser wusstest und in denen dein System auf „Dauer-On“ stand. Was dauerndes Für-alle-da-sein mit deinem Körper macht, habe ich hier ausführlicher beschrieben.
Dein Darm bekommt das alles mit. Fünfundneunzig Prozent deines Serotonins sitzen dort, also der Stoff, der dich ruhig und zufrieden macht. Die Schmetterlinge vor dem ersten Date, der Toilettendrang vor der Prüfung: Dein Bauch war immer schon der Ort, an dem sich zeigt, wie es dir geht.
In fünfzehn Jahren als Heilpraktikerin sehe ich bei Frauen immer wieder dieselbe Kette: eine Geschichte, ein Nervensystem, das sich darauf eingestellt hat, und ein Hormonsystem, das sich danach richtet. Der Bauch ist ihr letztes Glied.
Darum gehört zu diesem Thema eine Frage, die mit Essen nichts zu tun hat: Wann hat das mit dem Bauch eigentlich angefangen? Was war in deinem Leben davor?
Bei mir war es das Aufwachsen in einer Familie, in der Gewalt und Vernachlässigung herrschten. Lange wusste ich nicht, was das war: Geborgenheit, Sicherheit, geliebt werden. Stattdessen lernte ich, zu funktionieren, mich zu verstecken und nicht zu fühlen.
Mein Bauch aber wusste das. Da, wo ich nichts mehr fühlte, sprach er immer wieder mit mir und sagte: „Schau hin, mir fehlt etwas.“ Und erinnerte mich damit jeden Tag daran, dass dieses Leben nicht das war, was ich gebraucht hätte.
Wie du deinem Körper in der zweiten Zyklushälfte helfen kannst
🍲
Kleiner und warm
Dein Darm ist in diesen Tagen langsamer, also braucht er ein bisschen Rücksicht von dir. Kleinere Portionen, warm und gekocht statt groß und roh. Rohkost ist für einen langsamen Darm Schwerstarbeit.
💧
Trotzdem trinken
Wasser hilft, auch wenn es sich falsch anfühlt, weil du dich schon aufgeschwemmt fühlst. Was ich in meiner Arbeit immer wieder beobachte: Dein Körper hält Wasser fest, wenn er zu wenig bekommt.
🚶♀️
Zehn Minuten gehen
Zehn Minuten spazieren nach dem Essen bewegen den Darm mehr als jede Kapsel.
♨️
Wärme am Abend
Und abends etwas Warmes auf dem Bauch. Mehr braucht es an diesen Tagen nicht.
Zwei Minuten, wenn deine Hose spannt
🤲 Probier es heute Abend einmal aus
Reib deine Handflächen aneinander, bis sie warm sind. Leg beide Hände auf deinen Bauch, unterhalb des Nabels. Atme viermal aus, jedes Mal ein bisschen länger als ein. Dann kreise mit den Händen langsam im Uhrzeigersinn, das ist die Richtung, in die dein Darm arbeitet.
Eine Minute lang, mit so wenig Druck, dass es sich anfühlt wie eine Hand, die dich beruhigt.
Der längere Ausatem und die warme Hand sprechen mit deinem Nervensystem, und dein Nervensystem gibt es an den Darm weiter. Damit fängst du am ersten Glied der Kette an.
Nach zwei, drei Zyklen weißt du, welche Tage es bei dir sind.
Wenn du wissen möchtest, wo dein Körper gerade steht
Dein Körper sagt dir mit diesem Bauch jeden Monat dasselbe – so, wie er es auch mit anderen hormonellen Symptomen tut. Bisher hat niemand mit dir zusammen hingehört.
Dein Hormoncheck
Wenn du wissen möchtest, ob deine Hormone an deinem Blähbauch beteiligt sind, schau dir gerne meinen Hormoncheck an. Ein kurzer Selbsttest, etwa fünf Minuten. Am Ende siehst du, in welchem Bereich dein Körper gerade am meisten von dir fordert, und du bekommst einen ersten Schritt dazu, den du sofort gehen kannst.
Bis bald, deine Silke


