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Worum es hier geht
Seit ein paar Wochen ist es morgens noch dunkel, wenn dein Wecker klingelt, und das Aufstehen fällt dir schwerer als im Sommer. Dein Körper hat eine innere Uhr, den zirkadianen Rhythmus, und die stellt sich nach dem Licht. Hier liest du, was dabei mit deinen Hormonen passiert und was dir in diesen Wochen hilft.
Was du in diesem Artikel erfährst
- warum dir das Aufstehen ausgerechnet jetzt schwerer fällt
- was in deinem Kopf den Takt für deinen Tag vorgibt
- warum dein Cortisol später kommt, wenn es morgens dunkel bleibt
- was dein Zyklus mit dem Tagesrhythmus zu tun hat
- was dir in diesen Wochen guttut, ohne dass du dich antreiben musst
Seit ein paar Wochen habe ich eine neue Morgenroutine: aufstehen, Laufschuhe an, eine Runde in den Park. Mehr nicht. Mir hat das so gutgetan wie lange nichts.
Doch gestern früh standen die Schuhe da, wo sie immer stehen. Ich bin an ihnen vorbeigegangen und auf dem Sofa gelandet. Müde und schwer, so als hätte die Nacht noch gar nicht aufgehört.
Ich saß da und verstand mich selbst nicht. Geändert hatte sich doch nichts. Ich hatte nicht weniger geschlafen als sonst, ich hatte nicht mehr zu tun als in der Woche davor. Früher hätte ich mich an dieser Stelle angetrieben. „Jetzt stell dich nicht so an und zieh das durch“, hätte ich mir gesagt, und ich wäre rausgegangen. Gestern habe ich das nicht getan. „Ok, ich sehe, das ist jetzt nicht mehr deine Zeit“, habe ich stattdessen zu mir gesagt.
Erst beim Kaffee ist mir aufgefallen, was anders war: Es wird jetzt morgens später hell, und es war noch dunkel, als ich aufgestanden bin. Losgegangen bin ich an dem Morgen trotzdem noch. Nach dem Frühstück, ein kleiner Spaziergang im Park. Das hat mir gutgetan.
Und da wurde ich neugierig. Was macht eine halbe Stunde Dunkelheit mit mir, sodass sich ein ganzer Morgen anders anfühlt? Und was haben meine Hormone damit zu tun?
Wenn dir das Aufstehen jetzt auch schwerfällt
Wenn du das auch kennst: Schau einmal aus dem Fenster, wenn dein Wecker klingelt.
Viele Frauen, die gerade zu mir kommen, sagen mir: „Ich wache morgens auf und bin genauso müde wie abends.“ Oder: „Irgendwie fühle ich mich total blockiert und antriebslos.“
Manche stellen den Wecker noch eine halbe Stunde früher, damit sie den Tag trotzdem schaffen. Andere drücken dreimal die Schlummertaste und starten dann gehetzt. Wie ist das bei dir?
In deinem Kopf sitzt ein Dirigent: dein zirkadianer Rhythmus
Also habe ich nachgelesen, was in uns eigentlich passiert, wenn das Licht am Morgen ausbleibt. Der Takt, um den es dabei geht, heißt zirkadianer Rhythmus. Das ist nichts weiter als der Rhythmus eines einzelnen Tages.
Du kannst dir das so vorstellen: Tief in deinem Gehirn sitzt eine winzige Uhr. Sie gibt den Takt für fast alles vor, was an einem Tag in dir passiert. Wann du hungrig wirst. Wann dein Darm arbeitet. Wann deine Körpertemperatur ihren tiefsten Punkt hat. Wann du abends müde wirst.
Und sie ist nicht die einzige Uhr in dir. Fast jedes Organ hat eine eigene. Deine Leber hat eine, dein Darm, deine Nebennieren. Und ja: auch deine Eierstöcke und deine Gebärmutter.
Ein Orchester also. Die Uhr in deinem Kopf ist der Dirigent, deine Organe sind die Musiker mit ihren eigenen Noten. Solange der Takt stimmt, greift alles ineinander. Stimmt der Takt nicht mehr, verpassen die Musiker ihren Einsatz, und jeder spielt für sich.
Was das Licht mit dem Cortisol und dem Melatonin macht
Zwei Hormone übersetzen für deinen Körper, ob gerade Tag oder Nacht ist.
Das Melatonin ist dein Dunkelheitssignal. Wenn es abends dämmert, fängt dein Körper an, es herzustellen. Es sagt allem in dir: Es ist Nacht, schlaf weiter. Tageslicht unterdrückt es.
Das Cortisol ist dein Morgensignal. Es beginnt schon in den letzten Stunden deines Schlafs zu steigen, und kurz nachdem du wach geworden bist, erreicht es seinen Gipfel. Das ist der Schub, mit dem du aus dem Bett kommst. Über den Tag hinweg sinkt es wieder, und gegen Mitternacht hat es seinen tiefsten Punkt. Genau dann fängt das Melatonin an zu steigen. Die beiden lösen einander ab, jeden Tag.
Im Herbst und Winter passiert Folgendes: Dein Wecker klingelt zur selben Zeit wie im Juni. Draußen ist es aber noch dunkel. Damit fehlt deinem Dirigenten genau das Signal, an dem er erkennt, dass der Morgen ein Morgen ist.
Dein innerer Takt verschiebt sich nach hinten. Dein Wecker bleibt stehen, wo er steht. Und der Abstand zwischen beidem fühlt sich für dich so an: Du kommst morgens nicht hoch.
Was sich verändert hat, ist die Uhrzeit, zu der es hell wird.
Warum dein Zyklus dabei mitspielt
Das ist der Teil, den ich am spannendsten finde.
Deine Gebärmutter und deine Eierstöcke haben eigene Uhren, und sie stimmen sich mit der Uhr in deinem Kopf ab. Der Übersetzer dazwischen ist das Östrogen. Das Östrogen tickt im selben Tagesrhythmus wie das Melatonin und das Cortisol.
Auch der Hormonstoß, der deinen Eisprung auslöst, hält sich an die Uhrzeit. Bei vielen Frauen kommt er im Nachtschlaf.
Und dann ist da noch etwas, das mich beim Lesen hat innehalten lassen: Frauen, die weniger als acht Stunden schlafen, stellen rund ein Fünftel weniger von dem Hormon her, das die Eibläschen reifen lässt. Eine kurze Nacht ist für deinen Zyklus also keine Kleinigkeit.
Dein Zyklus dauert 28 Tage, dein Kalender kennt nur 24 Stunden
Es gibt noch eine zweite Sache, die mir in diesen Wochen immer wieder begegnet.
In deinem Körper spielen zwei Rhythmen gleichzeitig. Der eine dauert 24 Stunden, und den teilst du mit allen anderen. Der andere für dich als Frau dauert rund 28 Tage. Dein Alltag ist allerdings nur nach dem ersten gebaut: gleiche Uhrzeit, gleiche Leistung, jeden Tag, egal an welchem Zyklustag du gerade stehst.
Also machst du den 24-Stunden-Takt mit, auch wenn dein eigener Rhythmus gerade etwas anderes will. Und jetzt im Herbst macht dir die Dunkelheit zusätzlich das Aufstehen schwer.
Was ich mit der Zeit bei mir selbst herausgefunden habe: Dieses ständige Ankämpfen kostet mich mehr Kraft als das, was mein Körper mir vorgibt.
Was ich mir bei so einem Morgen immer zweimal anschaue
Wenn eine Frau zu mir kommt und sagt, dass sie morgens nicht mehr hochkommt, schaue ich mir zwei Dinge an. Keines davon reicht allein.
Das eine ist ihr Körper. Wann steht sie auf, wann wird es bei ihr hell, wann isst sie, wie schläft sie, wo steht ihr Zyklus gerade? Daran hängt der Takt.
Das andere ist ihre Geschichte. Und da frage ich immer dasselbe: Seit wann ist das so? Was war in deinem Leben in der Zeit davor?
Denn der Satz, mit dem du dich morgens aus dem Bett holst, ist selten in diesem Jahr entstanden.
„Jetzt stell dich nicht so an und zieh das durch.“ Diesen Satz habe ich mir jahrelang gesagt, und er hat funktioniert. Ich bin damit aufgestanden, ich habe damit meinen Tag geschafft, und ich habe damit über Jahre hinweg überhört, wann mein Körper etwas anderes wollte.
Er kommt aus meiner Kindheit. Weinen, wütend sein, etwas nicht zu schaffen: Das wurde bei uns zu Hause nicht toleriert. Ich habe stattdessen gelernt, die Zähne zusammenzubeißen und durchzuhalten, egal wie groß die Belastung war.
Mit fünf Kindern, vier davon in sechs Jahren, war mir das eine Hilfe. Irgendwann wurde es zur Falle, weil mein Körper der Belastung nicht mehr standhielt.
Vielleicht hörst du dich manchmal auch solch einen Satz zu dir sagen. Er muss nicht derselbe sein, und er muss auch nicht von deinen Eltern kommen. Doch immer dann, wenn du dich antreibst, obwohl dein Körper gerade etwas anderes sagt, spricht nicht dein liebevolles Selbst. Dann spricht etwas, das du früh gelernt und in dir gespeichert hast.
Was ich in meiner Arbeit immer wieder sehe: Es ist selten der dunkle Morgen allein, der eine Frau kraftlos macht. Es ist das tägliche Ringen darum.
Deshalb schaue ich nie nur auf die Hormone und nie nur auf das Leben. Das eine ohne das andere greift zu kurz. Genau das ist der Grund, warum so viele Frauen mit einem Laborwert in der Hand trotzdem nicht weiterkommen.
Was dir in diesen Wochen helfen kann
Hol dir das Licht, sobald du wach bist. Dein Dirigent orientiert sich am Unterschied zwischen einem hellen Morgen und einem dunklen Abend. Wenn es draußen noch dunkel ist, mach drinnen so hell wie möglich und stell dich für ein paar Minuten ans Fenster. Sobald es draußen hell wird, gehst du besser einmal kurz raus.
Steh möglichst zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende. Dein Körper kommt mit einer festen Zeit besser zurecht als mit einer, die jeden Tag wechselt. Und lass die Schlummertaste liegen: Der halbe Schlaf danach bringt dir nichts, er verwirrt deinen Takt nur weiter.
Gib dir eine halbe Stunde mehr, statt eine halbe Stunde weniger. Das klingt verkehrt, wenn du müde bist. Es ist aber der Unterschied zwischen einem Morgen, in den du hineingehetzt wirst, und einem, den du langsam anfängst. Ich stehe dafür lieber früher auf, als ich eigentlich müsste.
Frag deinen Körper, was er jetzt braucht. Bevor du dich antreibst: einmal kurz innehalten und hinhören. Oft braucht es nicht viel. Ein paar Atemzüge, bei denen du länger ausatmest als einatmest, sind schon genug, um aus einem kleinen Tief herauszukommen.
Wenn du deinen Körper in dieser Jahreszeit von innen unterstützen möchtest, mit Kräutern, Nährstoffen und dem, was jetzt auf den Teller gehört, findest du das alles in meinem Artikel Herbst-Boost für deine Hormone. Und falls du zusätzlich nachts wach wirst und nicht mehr einschläfst, schau einmal hier: Warum du nachts um 3 Uhr aufwachst.
Wann ist deine Müdigkeit mehr als die Jahreszeit?
„Das sind bestimmt nur die Hormone“, sagen Frauen oft zu mir, wenn sie sich bei mir melden.
Ja, die Hormone bringen tatsächlich einiges durcheinander, und der Morgen ist oft die Stelle, an der du es als Erstes merkst.
Doch auch andersherum wird ein Schuh daraus: Wie du lebst, was du dir zumutest, was du seit Jahren mit dir selbst ausmachst, das bringt dein Hormonsystem oft überhaupt erst aus dem Takt.
Ein dunkler Morgen im September geht vorbei. Wenn du aber seit Monaten jeden Tag so anfängst, egal wie hell es draußen ist, dann wird es Zeit, einmal genauer hinzuschauen. Wie sich das anfühlt, wenn die Müdigkeit bleibt, obwohl du eigentlich genug schläfst, habe ich hier aufgeschrieben: Ständige Müdigkeit trotz viel Schlaf.
Gerne schaue ich mit dir gemeinsam auf beides: auf deine Hormone und auf das, was dein Leben deinem Körper gerade abverlangt. Lass uns einfach mal kennenlernen, eine halbe Stunde, kostenlos und unverbindlich, damit du eine Idee davon bekommst, was bei dir dahintersteckt und womit du anfangen kannst.


